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Hier arbeiten wir in dem Kinder und Jugendprojekt ”SERPAF”. SERPAF ist ein sehr vielseitiges Projekt, bestehend aus 4 verschiedenen Einrichtungen. Da ist zum einen der Kindergarten (Creche), wo ca 110 Kinder zwischen 1 ½ und 6 Jahren betreut werden. Dann gibt es das Jugendzentrum, die ”Nova Cidade”, wo verschiedenste Projekte für Kinder und Jugendliche bis ca. 18 Jahren auf freiwilliger Basis angeboten werden. Die Werkstätten (Näherei, Holzarbeiten und eine Bäckerei, die unter anderem die Creche und Nova Cidade täglich mit frischen Brötchen versorgt...) beschäftigen die Mütter, deren Kinder in den Einrichtungen betreut werden. Etwas außerhalb von Sete Lagoas liegt die 4. Einrichtung, Baierro. Dort gibt es ebenfalls einen Kindergarten und eine Grundschule. Die Kinder kommen zum größten Teil aus den Favelas, aber auch für brasilianische Verhältnisse Mittelständigen Familien. Die meisten Kinder sind sehr lieb und umgänglich. Vor allem die Kleinen brauchen viel Zuneigung... Mientje und ich sind hier die ersten Freiwilligen und wohnen momentan noch in Gastfamilien, die nett und um uns bemüht sind. Meine Familie ist eher wohlhabend und ich wohne in einem schönen Häuschen! Ich habe allerdings nicht mein eigenes Zimmer und teile mir das Zimmer mit meiner 21 jährigen ”Gastschwester”. Es kann ganz schön nerven, keinen Rückzugsraum zu haben! Wir haben einen großen Drang nach Selbstständigkeit und würden gerne in unsere eigenen vier Wände umziehen! Ob das realisierbar ist, werden wir noch sehn....?! Für uns, als die ersten Freiwilligen hier, war es aber gut für den Einstieg in Gastfamilien untergebracht zu sein. So konnten wir auf der Arbeit alles in Ruhe abklären und alles in einigermaßen geregelte Bahnen leiten. Wir fallen hier sehr stark auf, da wir beide helle Typen sind und wenn wir durch die Strassen laufen, ziehen wir ALLE Blicke auf uns! Touristen oder Ausländer gibt es hier in dem kleinen Städtchen so gut wie gar nicht und so sind wir hier eine kleine Attraktion. So viel Aufmerksamkeit kann richtig anstrengend sein.... Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten auf der Arbeit läuft es langsam besser und wir wissen jetzt bescheid, was zu tun ist und haben unsere Aufgaben. Im Allgemeinen, auf der Arbeit, so wie im alltäglichen Leben, ist es für alle ein Gewöhnungsprozess, der seine Zeit braucht, aber voran schreitet! Bezüglich der Sprache verstehen hier einige nicht, dass wir kein perfektes und akzentfreies Portugiesisch sprechen. Den Umgang mit Ausländern sind die Menschen hier einfach nicht gewöhnt. Wenn wir ein Wort nur falsch betonen, verstehen sie uns oft bereits nicht, was uns die Konversationen natürlich nicht erleichtert. Über Englischkenntnisse verfügen die Brasilianer sowieso nicht, bzw. vereinzelt über sehr geringe! Unsere Arbeitskolleginnen haben zu Anfang überhaupt nicht verstanden, warum wir hier sind und dass wir nicht wie die bisherigen Gäste nur für einen kurzen Besuch da sind, sondern ein Jahr bleiben, um zu helfen. Es hat sich keiner für uns verantwortlich gefühlt und es hat auch niemand für nötig gehalten, uns einzuarbeiten. Einen direkten Ansprechpartner haben wir auch nicht. Da wir aber auch nicht wussten, was zu erledigen ist, hatten wir oft nichts zu tun. Das ist mir ziemlich auf die Nerven gegangen, da ich mit viel Motivation zum Helfen hierher gekommen bin! Viele unserer Kolleginnen haben uns auch gar nichts zugetraut und wussten nichts mit uns anzufangen. So war/ist von unserer Seite sehr viel Eigenengagement gefragt. Unser häufigster Satz war zu Beginn: ”Posso ajudar-lo”? – ”Kann ich helfen?”. Mittlerweile haben uns die Erzieherinnen zum größten Teil akzeptiert und verstanden, warum wir hier sind. Sie geben uns Aufgaben und übertragen uns Verantwortung. Unser Arbeitsalltag sah im Groben bisher wie folgt aus: Morgens, ab acht Uhr helfen wir in der Creche. Das heißt, wir helfen die Kinder zu den Essenszeiten mit Essen zu versorgen, was bei 109 hungrigen Kindern ein ganz schönes Chaos sein kann! Ansonsten helfen wir in einer der fünf Gruppen. Wir singen, basteln, malen, spielen oder machen mit den ältesten Kindern die ersten Schreibübungen. Mittags haben wir uns dann mit dem Bus auf den Weg zur Nova Cidade gemacht, wo wir von Montags bis Donnerstag in je zwei Gruppen je 2 Mal Deutsch unterrichtet haben. Die Kinder sind zwischen 10 und 17 Jahren alt. Viele sind motiviert, die doch sehr schwere Deutsche Sprache zu lernen. Wir werden sehen, wie lang ihre Neugier noch reicht.... Wir hatten nun endlich ein Treffen mit unserer Chefin, so dass wir einige Angelegenheiten klären konnten und mit ihr einen Arbeitsplan erstellt haben! Seid 2 Wochen arbeiten wir nun nach diesem Plan und wir haben auf jedenfalls mehr Abwechslung und auch mehr zu tun! Wir arbeiten weiterhin bis Mittags in der Creche. Montags helfen wir von 13-16 Uhr in der Bäckerei und probieren mit den Müttern verschiedenste Rezepte aus. Dienstags und donnerstags betreuen wir von 13-16 Uhr in der Nova Cidade einen Mädelstrupp, die zwischen 10 und 17 Jahren alt sind. Mit denen machen wir Englischunterricht, spielen oder basteln. Mittwochs und freitags machen wir weiterhin unseren Deutschunterricht. Allgemein läuft natürlich alles nach brasilianischer Gemütlichkeit... Nachdem sich hier so langsam alles eingespielt hat, habe ich auch das Gefühl, hier helfen zu können! Vor allem sollen wir beide im nächsten Jahr mit einer Erzieherin zusammen unsere eigenen Gruppen in der Creche bekommen, für die wir dann mitverantwortlich sein werden. Denn es ist wohl auch kein Geld mehr da, um die eigentlichen Erzieherinnen zu bezahlen! Diese Aufgabe gibt mir das Gefühl, hier wirklich gebraucht zu werden und dass meine Stelle hier auch sinnvoll ist! Im Allgemeinen habe ich einen sehr vollen Tag, nachdem ich meistens sehr müde ins Bett falle. Ich tue mich auch noch etwas schwer mit der Sprache, so dass jede kleine Angelegenheit und jede eigentlich schnell geklärte Konversation viel Geduld und Konzentration erfordert. Zwischen 16 und 17 Uhr kommen wir von der Arbeit. Die Nachmittage nutzen wir entweder 2 Mal in der Woche für Portugiesischunterricht oder machen die ein oder andere Erledigung im Zentrum. Abends gehe ich meistens u zum Capoeiratraining. Mit diesem Stück brasilianische Kultur hatte ich bereits vor 1 ½ Jahren in Essen angefangen und bin froh, nun die Chance wahrnehmen zu können, hier weiter zu trainieren! Ich habe ganz bei mir in der Nahe eine tolle Academia gefunden. In meiner Gruppe konnte ich auch bereits ein paar soziale Kontakte knüpfen. Den Sport habe ich aber auch echt nötig hier... Denn das Essen ist hier sehr lecker und unsere Familien lassen es uns an nichts mangeln! Ich dachte ja, mich erwartet fast nur Reis mit Bohnen, die gibt es zwar ebenfalls zu jedem Essen dazu, aber noch allerlei andere Sachen! Und jede Menge Fleisch! Brasilien ist täglich aufs Neue eine andere Welt für mich, mit sehr krassen Gegensätzen von Arm und Reich und einer komplett anderen Umgebung. Es werden mich jetzt noch sicherlich 10 Monate voller Überraschungen und jeder Menge neuer Eindrücke erwarten. 2. Bericht von Katharina Runnebom
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